Gomaringen: Mit Bewegung etwas bewegen
Gomaringer Kinder in Aktion
Wer am 14. Juni 2007 nachmittags als Außenstehender den Trubel auf dem Gomaringer Sportplatz verfolgte, dachte sich vielleicht nichts Außergewöhnliches. Wenn 119 Vorschulkids voller Eifer ihr Können beim Balancieren, Laufen, Springen, Rollen und Werfen testen, ist das zwar bemerkenswert, aber was man auf den zweiten Blick erkannte, toppte das Ganze. Hier war gerade ein beispielloses Projekt im Gange, das die Veranstalter und Teilnehmer der sportlich-sozialen Projektwoche „Wir bewegen was“ schon seit drei Tagen bewegte.
Sonnenseiten – Schattenseiten
Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Kinder bereits intensiv mit dem Thema „Leben und seine Grundbedürfnisse“ auseinander gesetzt, hatten eine spielerische Weltreise unternommen und ausstellungsreife Bilder gemalt. Sie wussten es längst zu schätzen, dass sie unter guten Bedingungen aufwachsen und dass es weltweit vielen Kindern sehr schlecht geht, weil sie von Katastrophen und Zerstörung betroffen sind. So müssen viele Kinder nicht allein unter Mangel von Lebensmitteln und schlechten Lebensumständen leiden, sondern oftmals auch auf Schule, Spiel und Bewegung verzichten. Hier gilt es Zeichen zu setzen und Unterstützung zu leisten. Und genau das machte der Sportnachmittag, den Bürgermeister und Schirmherr, Manfred Schmiderer, höchstpersönlich eröffnete, durch aktives Handeln der Kinder möglich.
Hüpfen für einen Bleistift
Acht Bewegungsstationen = acht Bälle. Die Messlatte war hoch, denn nur wer eine Station absolvierte, erhielt einen farbigen Ball für den Sammelpool seines Kindergartens. Jeder Ball war bares Geld wert. Geld, das die Kinder aller acht Gomaringer Kindergärten für das UNICEF-Nothilfe-Projekt „Schule in der Kiste“ spenden wollten. Als geldgebende „Hintermänner“ fungierten die Vertreter der örtlichen Geschäfte, Firmen und Banken. Da ließ sich kein Kind hängen und trug mit Elan, Willenskraft und Spaß zu dem stolzen Endergebnis von 2.100 Euro bei. Umgerechnet hatte jedes einzelne Kind durch seine Bewegungsaktivität fünf Kindern in Notstandsgebieten einen Unterricht gesichert.
Mach mal!
Jede Station bot Herausforderung und Spaß zugleich, denn alle mussten sich als Einzelkämpfer und Teamworker beweisen.
Balancieren über einen Balken klingt vielleicht simpel, wird aber knifflig, wenn rückwärts gelaufen werden muss oder ein Gegenstand auf dem Kopf liegt, der nicht herunterfallen darf. Wie funktioniert das Gedächtnis, wenn die Memory-Karten erst durch eine Laufstrecke erreicht werden können und man immer wieder zurück zur Mannschaft laufen muss? Wer hat die Kondition, um so viele Minuten laufend in Bewegung zu sein, wie man alt ist? Und wer findet sich unter Zeitdruck inmitten eines Bewegungsparcours zurecht?
Wie viel Rhythmus, Sprungkraft und Sprunggefühl habe ich, um die ausgelegte Reifenbahn mit verschiedenen Sprungformen zu durchhüpfen? Wie treffsicher bin ich, wenn das Ziel hinter einem Sichtschutz verborgen ist? Auch Kinder zeigen, dass mit Rollbrettern, Bobby-Cars oder anderen fahrbaren Utensilien schwungvoll losgebrettert werden kann. Muss ich noch Zielwasser trinken oder gelingt es mir auf Anhieb, mit fünf Ballschüssen mindestens drei Treffer zu landen? Nicht allein Siege zählen. Auch wer sich engagiert den Aufgaben stellte, konnte den Punkte bringenden Ball erkämpfen.
Doppelter Effekt
„Etwas bewegen und sich selbst bewegen“ sollte ein Zeichen in zweierlei Hinsicht setzen. Deutschlandweit registrieren Fachleute alarmierende gesundheitliche Defizite bei Kindern. Zwar ist eine ausgewogene Ernährung sehr wichtig, viel bedeutender ist aber der Kampf gegen die Bewegungsarmut. Jeder vierte ABC-Schütze in Deutschland ist übergewichtig. Tendenz steigend. Dem wollte der Förderverein Leichtathletik Gomaringen e.V. etwas entgegen setzen. Dabei traf er auf offene Ohren, denn viele Eltern im Ort sind längst auf der Suche nach sportlichen Möglichkeiten für ihren Nachwuchs im Kindergartenalter, weil die bestehenden Sportmöglichkeiten unzureichend oder erst für das Schulalter ausgelegt sind.
Die acht Bewegungsstationen waren so konzipiert, dass sie die elementaren Bewegungsmuster forderten. So konnten sich die Kinder einerseits selbst beweisen, andererseits konnten die Erwachsenen ernstzunehmende Schwächen registrieren, um eine behutsame und individuelle Bewegungsförderung anzubahnen.
Downloadempfehlungen zum Thema:
„Sportnachmittag“, „Sportnachmittag – die 8 Bewegungsstationen“
„Wer steht hinter dem Projekt?“