Warum ist diese Aktion wichtig?
Kinder sollen in einer eingeschränkten Bewegungswelt Raum und Zeit erhalten, ihren natürlichen, allerdings oft verkümmerten Bewegungsdrang auszuleben und dadurch zu einer gesunden körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung zu gelangen.
Kinder brauchen und wollen Bewegung
Kinder wollen sich bewegen, sie springen nach dem letzten Bissen gleich vom Esstisch auf, sie rennen mitunter – scheinbar völlig unmotiviert – durch die Gegend, sogar an der Hand von Erwachsenen hüpfen oder springen sie. Allerdings ist der natürliche Bewegungsdrang häufig durch äußere Einflüsse verarmt.
Dabei braucht ein Kind für die Entwicklung seiner Persönlichkeit die Bewegung – es entdeckt über Bewegung seine Umwelt, es kommt mit anderen Menschen über Bewegung in Kontakt, lernt Materialien kennen, erfährt, wie es seinen eigenen Körper einsetzen kann und muss. Dazu gehört auch, dass das Kind – überschaubare – Risiken eingehen darf und lernt sie zu bestehen. Ein umfangreiches Bewegungsangebot schult die Wahrnehmung und macht das Gehirn leistungsfähiger. Eine gute Wahrnehmung wiederum fördert eine gut koordinierte, sichere Bewegung. Im Alter zwischen dreieinhalb und acht Jahren lässt sich die Wahrnehmungsfähigkeit am besten trainieren und entwickeln.
Bewegen heißt fürs Leben lernen
Da allerdings die Sinnesfunktionen noch in der Entwicklung sind, können Kinder im Vorschulalter bestimmte Gefahren noch nicht einschätzen. Sie müssen ja erst lernen, Geschwindigkeiten, Entfernungen und Geräusche richtig deuten und beurteilen und ihren Körpereinsatz realistisch einkalkulieren zu können. Dadurch sind sie zu Hause, auf dem Spielplatz, auf der Straße und sehr häufig auch im Kindergarten Unfallgefahren ausgesetzt. Umso wichtiger ist – neben anderen Unfallverhütungsmaßnahmen – dass Kinder durch Bewegung in ihrer Wahrnehmung immer besser und dadurch im Alltag sicherer werden.
„Couchpotatoes“
Die Lebenswelt vieler Kinder bietet heute wenig Raum, sich aktiv, selbstständig und frei zu bewegen. Straßen sind zum Spielen zu verkehrsreich, Gehwege und Höfe zugeparkt, Spiel- und Sportplätze führen über gefahrvolle Straßen, Gleichaltrige im Wohnumfeld fehlen. Fernsehen, Videos und Computerspiele machen Kinder körperlich passiv und bieten nur visuelle und akustische Reize. Eltern bringen ihre Kinder im Auto zum Kindergarten, zur Sportstunde oder zum Musikunterricht. Das ist bequem, geht schnell und ist – zugegeben – auch manchmal sicherer als zu Fuß oder per Rad.
Bewegungsarme Kinder sind gefährdet
In den vergangenen Jahren haben mehrere wissenschaftliche Untersuchungen den Bewegungsmangel von Kindern und dessen Folgen zu ihrem Forschungsthema gemacht. Sie kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen, doch die Tendenz scheint klar zu sein. Besonders ErzieherInnen, die tagtäglich mit den Fähigkeiten der Kinder konfrontiert werden, haben bei ihren Schützlingen motorische Ungeschicklichkeit, Unruhe, Unsicherheit, Bewegungsunlust, geringe Frustrationstoleranz, erhöhte Aggressivität und Impulsivität, Aufmerksamkeits-, Konzentrations-, Antriebs- und Lernstörungen und Störungen im Sozialverhalten festgestellt (S. Dordel: Ätiologie und Symptomatik motorischer Defizite und Auffälligkeiten, in: Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Band 3, 1997, S. 98-111). Ähnliche Ergebnisse haben Schuleingangsuntersuchungen erbracht. Bewegungsarme Kinder sind von einem höheren Unfallrisiko bedroht sowie von gesundheitlichen Problemen wie Haltungsschäden, Stoffwechselstörungen und psychosomatischen Krankheiten – während der Kindheit oder auch später.
Dabei sind Wahrnehmungs- und Bewegungsdefizite im jüngeren Lebensalter noch recht leicht zu beheben oder zumindest positiv zu beeinflussen (S. Dordel, M. Welsch: Motorische Förderung im Vorschul- und Einschulungsalter, in: Haltung und Bewegung, Wiesbaden, 19, 1999, 4, S. 5-21).